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Wie wär's mit einer Microsoft-freien Zone?

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Tja, was soll ich sagen, das war dann wohl die Minute, in der die Idee zu meiner

MSfZ
M S f Z

meiner Microsoft-freien Zone geboren worden war. Gut, ich bin Realist genug um zu wissen, dass ich die nicht »über Nacht« einrichten kann. Ich war auch nicht so impulsiv, mein Fenster aufzumachen und alles, wo Windows draufsteht, einfach rauszuwerfen, obwohl ich zugeben muss, dass diese Phantasie kurzfristig den Anfall von Glücksgefühl, das alles los zu werden, noch etwas steigerte. Auf meinem Notebook würde sicher — ab und zu — noch W95 laufen, immerhin hatte ich ja auch gerade den Frame-Grabber, die Deutschlandkarte und die Telefon-CD gekauft.

So wie die Anspannung mehr und mehr von mir abfiel, kam es mir vor, als sei ich drei Zentimeter gewachsen, als hätte ich gerade meine Füße aus dem Morast freibekommen, dem Morast, der mehr und mehr dabei war, sich in einen Sumpf zu verwandeln, einen Sumpf, der möglicherweise schon im Begriff stand, mich mit Haut und Haaren zu verschlingen

»Ja, genau das machst Du, eine Microsoft-freie Zone« dachte ich wieder und wieder, »gib Windows einen Tritt, wirf' es zur Tür hinaus, kleb' das bekannte Logo draußen an, mal mit Filzstift ein trauriges Gesicht drüber und schreib' drunter: "Ich darf hier leider nicht hinein."« Aber wie gesagt, ich bin auch Realist und außerdem habe ich für einige Sachen gutes Geld bezahlt, eigentlich kann ich die dann auch benutzen, soweit sie funktionieren und wenn's unbedingt sein muss. Das DOS vom Büro-PC könnte ich zum Beispiel mit Wordperfect Works auf meinem alten Notebook installieren.

Aber andererseits, wenn schon MSfZ, dann vielleicht doch konsequenter? Es gibt doch noch DR-DOS und war da nicht auch so ein russischer DOS-Clone? Ich denke, das müsste doch für vieles reichen. Einige Firmen gehen ja doch anscheinend fest davon aus, dass man einen PC mit DOS bzw. Windows hat. Zum Beispiel ELV, bei denen ich Händlerstatus habe und deren Floppy mit der Artikeldatenbank eben nur unter DOS funktioniert. Aber wahrscheinlich kann man mit denen reden, sich das Dateiformat beschreiben lassen. Wahrscheinlich würden sie sich sogar über ein Programm für Linux freuen. So schwer kann das eigentlich nicht sein, Curses beherrsche ich ja aus dem Handgelenk.

Bei meiner Telefonanlage wird das wohl schon schwieriger, für die gibt's nämlich eine Programmierhilfe, die aber Windows voraussetzt. Zwar hatte ich den Hersteller schon mal auf eine Protokollspezifikation angesprochen er schien auch geneigt, mir eine zu geben, aber aus Zeitmangel habe ich mich dann nie drum gekümmert und ich hatte ja bis vor kurzem Windows auf dem Büro-PC. Vielleicht sollte ich langfristig — oder eher sogar ab sofort und grundsätzlich — nach einer Protokollspezifikation fragen, wenn ich vorhabe, ein Gerät mit serieller oder paralleler Schnittstelle zu kaufen. Wenn eine Firma so eine Spezifikation nicht herausrückt sondern darauf besteht, dass man ihre proprietäre Software unter DOS/Windows verwendet, sollte ich das dann zur »killing decission« machen.

Überhaupt: vielleicht gibt es ja irgendwo schon eine Sammlung mit Protokollspezifikationen für alle möglichen Geräte. Vielleicht hat ja irgend jemand so was schon auf seinem Web-Server? Wenn nicht, dann rege ich hiermit an, eine solche Sammlung anzulegen. Für alles, was eine serielle oder parallele Schnittstelle hat, sollte es irgendwo eine zentrale Sammelstelle geben, wo man sich die Protokolle holen kann, oder wo es alternativ einen Link zur Protokollspezifikation auf dem Web-Server des Herstellers gibt. Eine Art »Schaltungsdienst Lange, Berlin«, aber nicht für Hardware sondern für Software-Protokolle; ja, das fände ich sinnvoll. Wenn es dann schon keine passende Linux-Software gibt, weiß man wenigstens gleich, wo man hingucken muß, kann vielleicht sogar schon ein wenig abschätzen, welcher Aufwand es wäre, die passende Software selbst zu schreiben zu schreiben. Und was dort nicht registriert ist, das kauft man besser gar nicht erst.

Gut, auch WABI wäre vielleicht ein Weg, aber haben wir Unixler und Linuxer das wirklich nötig, die Software einer gewissen »Company« nachzuempfinden, für »Kompatibilität« zu sorgen, Kompatibilität zu Produkten, die sich selbst einen Dreck um Kompatibilität scheren, sogar wenn es sich um ihre eigenen, gerade mal zwei Jahre alte Vorgängerversionen handelt!

Dann machen wir's lieber gleich richtig, wir sind doch genug, zusammen sind wir stark! Auf der letzten Usenix hat doch Linus Thorwalds schon das Diagramm für seinen »World Domination Plan« vorgelegt. Die Zuwächse für Linux, die nach wie vor exponentielle Steigerung von den Anfängen bis heute, das spricht doch alles dafür, dass in wenigen Jahren schon jeder Einwohner auf der ganzen Welt ein Linux-System haben wird, mindestens eines, ich hab ja schon selbst bald drei oder vier. Er, Linus, hat dann zwar mit einem Schmunzeln hinzugefügt, dass die Zahlen frisiert sind — aber das ging im allgemeinen Beifall unter. Immerhin gibt er es zu — wie das bei diesen TCoO-Studien so ist, na, ich weiß nicht... aber nein, nein, das ist alles ganz sauber recherchiert und ganz und reel. Snoopy hat einfach nur Pech gehabt... oder eine ganz und gar untypische Umgebung...

OK, so langsam bin ich am Ende — nicht nur mit meiner Geduld gegenüber Microsoft-Produkten, auch mit meiner Story. Und deshalb möchte ich meinen Leserinnen und Lesern jetzt vorschlagen, es mir nachzutun, auch eine MSfZ einzurichten. Wie gesagt, ich bin realistisch und könnte es gut verstehen wenn jemand sagt, »aber das geht nicht,« oder »es geht im Moment noch nicht.« Auch ich habe meine DOSe nicht aus dem Fenster gekickt, auch zu mir kommen Kunden, die wollen C++-Programmierkurse auf Windows NT mit VC++... und warum soll ich auf gutes Geld verzichten? Klar, dann werde ich nicht darum herumkommen, etwa Übungsaufgaben auf einem NT-Rechner vorzubereiten, »Projekte« anzulegen. (Auch so ein Overkill, wo unter Unix ein Sub-Directory und ein Makefile langt, diesen Projekt-Quatsch zu erzwingen. Das soll einfacher sein? Daß ich nicht lache! Ich find's nicht nur nicht aufwendiger sondern auch sehr viel weniger flexibel. Aber gut, ich will tolerant sein, vielleicht ist das nur »die Macht der Gewohnheit«.)

Ich denke, ich könnte es so machen: Ich besorge mir eine Rolle selbstklebendes Trassenband, dieses schwarz-gelb gestreifte, das man so von Absperrungen kennt, und in irgend einem Eckchen meines Büros klebe ich damit so ein Rechteck auf dem Boden ab. Und wenn ich dann wirklich mal was auf einem Rechner mit NT machen muß, dann in diesem Eckchen. Vorher gehe ich in den Laden hier zwei Straßen weiter, wo man sich alle möglichen Schilder drucken lassen kann. Dann bestelle ich mir so ein gelbes, wie man es von Baustellen kennt, sagen wir mal 20´35 cm mit dem Text:

ACHTUNG! Sie verlassen jetzt die MSfZ!

Dann kommt noch so eine rot-weiße Kette vor das abgeteilte Eckchen und an die Kette kommt das Schild. Ich glaube, das werde ich so machen. Wann das sein wird — ich weiß nicht, zum Jahresende?

Ja, diesen Tag setzte ich mir als Ziel, zum 31.12.97 wird mein Büro zur MSfZ — eventuell mit Ausnahme besagten Eckchens. Ich weiß, ich weiß, das wird nichts dran ändern, dass ein gewisser Herr an der Spitze der Forbes-Liste seinen »Reichtum« nächstes Jahr vielleicht wieder verdoppelt. Aber ich weiß dann wenigsten auch, dass es nicht mein Geld ist, dass nicht ich für ihn die Sklavenarbeit mache...

Und das schönste kommt noch: Jeder kann mitmachen, auch Sie können das. Es ist ein wunderschönes Gefühl, ich genieße es immer noch, während ich schon mal alle Microsoft-Sachen — Floppies, Handbücher... — in einen eigenen Karton packe, um sie später in den abgeteilten Bereich bringen zu können... oder lieber noch — wenn's geht — sogar auf den Müll zu werfen.

Aaah, dieses Gefühl jetzt wo die Schockwelle abgeklungen, diese Erleichterung, ich vermute, Drogen- oder Alkoholabhängigen wird es ähnlich gehen, wenn sie das erste mal wieder aus freien Stücken »nein« gesagt haben, wenn sie plötzlich merken, wie dumm sie die ganze Zeit waren, oder wenigstens, wie sehr sie sich haben mitreißen lassen von etwas, von dem so viele behaupteten »es geht eben nicht anders«.

Doch, es geht sehr wohl anders!

Es gibt nicht nur Linux mit seiner freien Software, die vielleicht mitunter etwas mehr Pflege braucht, es gibt auch Firmen, die solche Pflege als Dienstleistung anbieten, und es gibt immer mehr kommerzielle Produkte, Star-Office, Applixware... und gerade bietet die Software-AG ihre Adabas-Datenbank zum Sonderpreis von deutlich unter 200 Mark an. Mir scheint, die Linux-Gemeinde gewinnt zunehmend Sympathisanten, wird langsam »kreditwürdig«. Es sind nicht mehr nur ein paar Außenseiter und Spinner, die Chancen werden von Tag zu Tag besser, den Befreiungsschlag zu führen.

Na ja, vielleicht nicht ganz so martialisch, kein Befreiungs-»Schlag«. Ich sehe es lieber als allmähliches Einsickern demokratischer Strukturen nach einer Zeit totalitärer Herrschaft. Anfangs ist in einigen — nein, wohl noch in vielen — Köpfen das »alte Denken« am Werk: was so lange gut und richtig war, das kann doch nicht plötzlich falsch sein, »das hat man doch immer so gemacht«. Ja, man fand auch nicht alles gut, vielleicht sogar sehr vieles nicht, aber gegen den Strom schwimmen, nein, das doch nicht. Ich bin sicher, so wie in Staaten, in denen plötzlich die Demokratie — oder zumindest mehr Freiheit — einkehrt, gibt es in der IT-Branche viele Leute, die sich in diesem Sinne einfach nicht trauen, oder vielleicht noch nicht trauen. Dabei kann doch jetzt jeder »nein« sagen, ohne schlimme Konsequenzen befürchten zu müssen... ja, doch, ich denke, das könnte vergleichbar sein.

Aber gut, ich mag es selbst überhaupt nicht, wenn Leute missionieren, wenn ich zu irgend etwas überredet werden soll, zu dem ich innerlich nicht stehen kann, und ich brauche nicht die Genugtuung, möglichst viele Leute zu überzeugen. Sehen Sie es also mehr im Sinne einer ausgestreckten Hand, sehen Sie das, was sie gerade gelesen haben — wofür ich mich an dieser Stelle bedanken möchte — eher als den persönlichen Erfahrungsbericht von jemanden, der den Schritt gewagt hat, der ihnen sagen will:

Es ist nicht so schlimm,
Sie können es wahrscheinlich ganz genauso!

Und schließlich: Dies ist weder eine »Kriegserklärung« an Microsoft — von mir aus sollen sie weitermachen wie sie wollen — noch habe ich etwas gegen Herrn Gates. Ich kenne ihn ja auch gar nicht persönlich, allenfalls so, wie ihn die Microsoft-PR an uns verkauft. Vielleicht ist er ein Klasse Kumpel, vielleicht würde nicht nur ich sondern auch er sich freuen, wenn er endlich seinen Reichtum genießen könnte, ohne in immer kürzeren Zeitspannen irgendwas Neues auf den Markt werfen zu müssen. Jeder vernünftige Sportler, jeder gute Schauspieler, jeder verdiente Politiker sollte doch Schluß machen, bevor alle merken, dass die Leistung nachlässt. Die Geschichte hatte langfristig immer mehr Bewunderung für jene, die auf dem Höhepunkt ihres Erfolges freiwillig abgetreten sind, als für die, die erst zu spät merken, dass der Wind sich gedreht hat.

Aber im Grunde genommen spielt dies alles für meine Story überhaupt keine Rolle, denn in der ging es um mich, dass ich jetzt »nein« gesagt, eine ganz persönliche Entscheidung getroffen habe. Gut, nicht nur eine persönliche, sie berührt natürlich auch berufliche Aspekte, vorwiegend sogar berufliche, aber so richtig trennen konnte ich das ohnehin nie. Und alle, die gerade dabei sind, auf welchem Weg auch immer zu einer ähnlichen Einstellung zu kommen, möchte ich ermuntern: Auch Sie können dieses schöne, befreiende Gefühl, das ich jetzt habe, schon bald genießen, wenn Sie es wirklich wollen.

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