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Wie wär's mit einer Microsoft-freien Zone?

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Noch einmal will ich aber die Uhr etwas zurückdrehen. Ein paar Tage zuvor, als die Wellen noch nicht so deutlich waren, kam eine kleine Meldung im Radio, die war vielleicht auch so ein Vorbote. Bill Gates sei, so sagte die Meldung, im letzten Jahr schon wieder soundsoviel reicher geworden, und diese Meldung tauchte immer öfter vor meinem geistigen Auge auf. »Der arme Mann,« dachte ich, »du mußt ihm helfen!« Wieviel Geld hat der jetzt — über 70 Milliarden, glaube ich. Wie und wann will der das denn alles mal wieder ausgeben, ich meine, der wird doch auch keine tausend Jahre alt. Mit ein bisschen Glück hat er vielleicht noch vierzig oder fünfzig Jahre vor sich... oder meinetwegen auch sechzig, aber so viel kosten doch auch die besten Ärzte nie und nimmer, die er dann wahrscheinlich braucht. Will er denn alles seinen Enkeln vermachen? Hat er denn überhaupt Kinder, das wäre ja die Minimalvoraussetzung für Enkel?

Das ist doch ein Hundeleben, zu dem er verdammt ist! Hätte ich nur 70 Millionen — also ein Tausendstel von dem, was er hat, wie würde ich es mir gut gehen lassen! Sicher, vielleicht würde ich nicht nur in der Sonne liegen und mir abends, in der lauen Luft einer Mittelmeerinsel den Wein schmecken lassen. (Es muß bei ihm ja nicht Mittelmeer sein, vielleicht ist die Karibik mehr sein Ding.) Wahrscheinlich würde ich auch ein bißchen programmieren, aber wenn ich 70 Millionen, nein, sagen wir auch von diesem Tausendstel nur ein Zehntel, nur 7 Millionen hätte — vollkommen unwichtig ob D-Mark oder Dollar —, da würden doch alleine die Zinsen locker reichen für ein prima Leben! Ein paar Vorträge hier und da, ein paar Artikel schreiben... vielleicht auf all diesen schönen Konferenzen rumturnen um mit den anderen Freaks zu quatschen... aber es wäre doch jeglicher Druck weg, ich müsste doch nicht mehr jeden Mist, den ich fabriziere, zwanghaft unter die Leute bringen!

Gut, das war ein paar Tage vor dem denkwürdigen Moment, zu dem das Fass dann voll war, der »große Knall« die Erleichterung brachte. Der Rest, der nun noch kommt, das ist vielleicht nur noch das Ausschwingen, das langsame Abklingen der Amplituden. Denn auch angesichts der ganzen Misere hatte ich noch nicht völlig aufgegeben. »Es gibt ja nicht nur W3.11« sagte ich mir, »sondern auch W95 und NT und gerade von letzterem meinen ja viele, die ich kenne und denen ich in dieser Hinsicht mehr Durchblick zutraue als mir, es sei das beste Produkt, das je aus dem Hause Microsoft kam« — wie immer man das jetzt interpretieren mag.

NT gewinnt im Server-Bereich

»Noch hat Unix die größere Installationsbasis, NT aber die stärkeren Zuwächse«, so das klare Ergebnis einer kürzlich durchgeführten repräsentativen Studie der renomierten, in Redmond ansässigen Management-Beratungs-Gruppe...

Mehr als nur ein Artikel in der Fachpresse hatte in in den letzten Wochen so oder so ähnlich begonnen. Und jetzt, wo ich aus all dem draussen bin, fällt mir dazu noch auf:

Auch XY bekennt sich zu NT

Als »strategische Entscheidung« bezeichnete der Vorstandssprecher der XY AG die Ablösung der bislang verwendeten Unix-Server durch NT-basierte Systeme innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre...

Dies hätte genauso gut der Anfang solcher Artikel sein können, die das stetige Vordringen von NT in eine Unix-Domäne belegen sollen.

Aber fällt dabei niemandem was auf? Ich meine diese Formulierung »bekennt sich zu«. Ist das verwendete Betriebssystem jetzt eine neue Religion oder was? Wird man auf dem Einstellungsbogen eines Arbeitgebers bald drei Kästchen finden:

[] Unix/Linux
[] Windows NT
[] ohne Bekenntnis

Ja, ich weiß, der Wahrig definiert den Begriff nicht ganz so eng wie ich ihn hier interpretiere, aber hat »bekennen« nicht etwas ungeheuer Pathetisches an sich? Warum kein nüchternes »entscheidet sich für«, man sagt doch, da stünden ausschließlich rationale Gründe dahinter, »Total Cost of Ownership« und so was.

Oder entspringt das etwa doch nicht alles rein rationaler Überlegung, wird da vielleicht auf höchster Ebene gemauschelt und dann nur versucht, die »strategischen Entscheidungen« rational zu begründen mit diesen Dingsda, diesen TCO-Geschichten, die gerade in letzter Zeit verstärkt kursieren? Ich will das jetzt nicht von A bis Z aufrollen, aber auch ich habe solche »Rechnungen« mehr als einmal angestellt. Das liegt lange zurück zwar und das Schlagwort »Total Cost of Ownership« gab's damals auch noch nicht, aber ich weiß auch, wie man das für alles Mögliche machen kann, etwa für ein schlechtes Programm, mit dem man für eine bestimmte Aufgabe nur minimal länger braucht, sagen wir eine Minute länger pro Stunde. Und dann die Frage, was so ein Programm eine Firma wirklich kostet, bzw. was ein anderes Programm mehr kosten darf, das diese eine Minute pro Stunde einspart.

Sagen wir, 100 Leute arbeiten mit dem Programm, gar nicht mal »fulltime«, nur 50% ihrer Arbeitszeit, sagen wir 20 Stunden die Woche und 45 Wochen im Jahr, wegen Urlaub, Feiertagen, Krankheit usw. Wenn also das Programm drei Jahre genutzt wird, dann sind das

100 * 20 * 45 * 3 / 60 = 4500

Arbeitsstunden, die da flöten gehen — oder auch eingespart werden können, je nach dem, wie man die Aufgabe stellt. Und das darf jetzt jeder mal für sich mit einem fiktiven Stundensatz multiplizieren! Man sieht, auch ich kenne das Spiel, auch ich weiß, wie man aus kleinen Zahlen durch Multiplizieren große macht... Mit zwar willkürlichen, aber halbwegs plausiblen Angaben biege auch ich alles nach Lust und Laune hin, wie ich es gerade brauche.

Aber wo wir gerade dabei sind, beim Thema vergeudete Arbeitszeit: Wieviel Arbeitszeit habe ich denn eigentlich bisher mit MieS-Produkten vergeudet? Vielleicht hätte ich's aufschreiben sollen, aber sagen wir mal, zwei Tage bis jetzt, oder drei (tief gegriffen, sehr tief gegriffen, sehr tief). Das gilt also für mich, den Unixler, der um DOS/Windows fast immer einen großen Bogen gemacht hat. Wieviel mehr muß es da bei anderen gewesen sein, Leuten, die sich viel öfter als ich damit abzuquälen haben, den Unterschied zwischen »Extended« und »Expanded Memory« zu begreifen? Ich habe selten in typischen PC-Zeitschriften geblättert in den letzten zehn Jahren, aber wenn sich ein Thema durchgezogen hat über all die Zeit, dann war es die Speicherverwaltung. Oder dass ein Programmbug auf ein vergessenes "__far" bei irgend einem Pointer zurückzuführen war. Oder auf das Zusammenbinden von Modulen, die mit unterschiedlichen Speichermodellen — tiny, small, medium, large, huge... es gibt ja auch so viele! — kompiliert worden waren. Leute, was das gekostet hat, da ist der plötzliche Reichtum des kleinen Anwaltssohns aus Seattle wahrscheinlich ein Taschengeld dagegen!

OK, das mag nun, mit W95 und NT erledigt sein, ich kann es schwer beurteilen, ich habe ja nur mit W3.11 gekämpft, aber dann lese ich Snoopys Glosse in den Offene Systeme Heft 2/97. Und die geht exakt um NT. Und die klingt ganz anders! Ich würde sogar sagen, sie steht in krassen Widerspruch zu dem, was uns diese TCO-Studien da in letzter Zeit in der Frage Unix vs. NT suggerieren wollen.

Könnte es sein, dass da jemand lügt?
Könnte es sein, dass da jemand lügt, dass sich nur so die Balken biegen?

Sind Snoopys Erfahrungen total außer der Reihe, ein seltener Ausnahmefall, alles andere als repräsentativ? Oder ist er vielleicht einfach total unfähig als Systemverwalter? Ich meine, wenn sich jemand schon diesen Namen in den Ausweis eintragen lässt und auch nicht mal 'ne Kravatte trägt, noch nicht mal für das Bild am Ende des Artikels, nimmt das dem, was er sagt bzw. schreibt, nicht schon von vorneherein jede Glaubwürdigkeit?

Um Office 97 vs. Office 95 ging's auch in Snoopys Artikel, und das — so finde ich — sollte eigentlich allen, die bisher noch die Produkte der »Redmond-Connection« ganz akzeptabel fanden, endgültig die Augen öffnen. Was muss ich da lesen? Wenn in einem Netzwerk Office 95 und 97 gemischt installiert sind und jemand mit Office 97 irgend ein Dokument im »alten« Office 95-Format mal kurz anfaßt, vielleicht nur eine minimale Änderung daran macht, wird es (stillschweigend?) ins neue Format umgewandelt und auch so abgespeichert. Und wer künftig mit Office 95 dran will, guckt in die Röhre! Na prima — so zwingt man die Kunden zu einem Upgrade! Glückwunsch, Microsoft, das muß euch erstmal jemand nachmachen.

Aber auf der anderen Seite, bei den Kunden, merkt denn da niemand was, sind die wirklich alle so blöd? Ist das, was Snoopy zu Office 97 vs. Office 95 schreibt, so ein wesentlicher Unterschied zur Drogenszene, wo jemand unter irgendwelche »ungefährlichen« Sachen, die den Kids auf der Techno-Fete mal zum Probieren angeboten werden, heimlich Koks oder Heroin mixt, damit die Kleinen dann auch schön brav wiederkommen? Nein, das ist kein passender Vergleich, ich ziehe ihn zurück, denn es gibt einen Unterschied, Microsoft-Produkte machen nicht wirklich abhängig, ich komme gleich dazu.

Noch aber sind die Wellen am ausschwingen, der große Stoß klingt zwar langsam ab, aber ich sitze immer noch vor meinem PC, der jetzt nicht mehr geht, nicht mehr mit W3.11 geht, und ich habe immer noch das Ziel vor Augen, die neue T-Online-Version zum Laufen zu kriegen.

Da fällt mir ein: Ich habe ja noch ein Notebook auf dem W95 installiert ist, das ging damals — also vor einem halben Jahr — leider nicht anders. Ich hatte den Lieferanten zwar nach NT gefragt, aber der meinte (Ende '96) das sei »bei NT mit den Treibern noch nicht so stabil«, also hab' ich dann W95 genommen. Und zum Notebook bekam ich eine Diskette und CD-ROM mit W95, alles originalverpackt, zugeschweißt, das heißt, das Notebook müssen sie irgendwie anders installiert haben. Aber egal, darüber hatte ich mir damals keine Gedanken gemacht, ich hatte ohnehin gleich die W95-Partition von 2 GB auf 400 MB zusammengefipst und im frei gewordenen Teil Linux installiert. Wenn mein Notebook läuft, dann fast immer mit Linux, nur ganz selten mal mit W95. Gut, ich hab' mir vor kurzem 'nen Frame-Grabber gekauft... und eine CD mit Deutschlandkarte und Stadtplänen... und eine mit Telefonnummern... da boote ich dann auch schon gelegentlich mal W95...

Ich also, ziemlich frustriert zwar schon, aber immer noch heiß darauf, endlich die neue T-Online-Software laufen zu lassen, sitze da und denke: »Reiß' doch die Packung auf und installier' den W95 Kram auf dem Büro-PC. Vielleicht liegen Deine ganzen Probleme halt an W3.11, wer hat das denn heute noch.« Und überhaupt hat doch auch Microsoft schon angekündigt, dass es für W3.11 keinen Support mehr gibt, oder täusche ich mich da? Übrigens, mein Auto ist jetzt gerade 10 Jahre alt geworden, und es war kein Problem, den Schalter für die heizbare Heckscheibe ersetzt zu bekommen, wenngleich sich im Preis dann der Aufwand für die Lagerhaltung deutlich niederschlug, über 30 Mark für ein solches Spezialteil, ein ähnlicher — aber eben nicht genau passender — Standard-Schalter kostet im Elektronikladen um die 3 Mark!

Doch diese Ausgabe konnte ich gut rechtfertigen, immerhin hat mein Auto noch keinen Flecken Rost und der Motor schnurrt trotz seiner bald 200.000 km immer noch so brav wie am ersten Tag. Zum Glück habe ich damals ein Auto mit G-Kat genommen, obwohl das noch sehr unüblich war. »So was brauchen Sie doch nicht« haben einige Händler damals argumentiert, »die Technik ist doch überhaupt noch nicht ausgereift, und bis die gesetzliche Regelung mal durch ist, haben Sie schon längst wieder ein neues Auto.« Was bin ich froh, dass ich nicht drauf gehört habe! Und was bin ich froh, dass die Auto-Industrie seit den Siebzigern doch etwas hinzugelernt zu haben scheint, denn damals hielten die Autos nicht so lange wie heute oder waren wirkliche »Rostlauben« nach zehn Jahren. Oder ich habe einfach nur Glück mit diesem Auto?

Ich denke also: »Vielleicht ist W3.11 hoffnungslos veraltet. Es ist zwar nicht mal halb so alt wie Dein Auto, aber in den PCs ticken die Uhren eben schneller.« Ein Menschenjahr entspricht sieben Hundejahren sagte man früher, um zum Ausdruck zu bringen, dass Hunde normalerweise nur gut zehn Jahre alt werden. Wievielen PC-Jahren entspricht dann ein Menschenjahr... sagen wir mal... fünfzehn? Also mein ISC-Unix »lebt« mittlerweile seit '89, bald wird es zwar sein Gnadenbrot kriegen (ja, Brauner, nur ruhig...) hätte jetzt also schon das biblische Alter von 120 Jahren.

Aber es ist ja auch kein Microsaftware, da müßte man wahrscheinlich eher zwanzig oder dreißig Jahre pro Menschenjahr rechnen. Wenn ich nur ein wenig zurückdenke, so an die Zeit um 1990, »Standard« war da eine 40 MB-Platte und ein 286er — OK, besch... Speicherverwaltung, keine vernünftige MMU — also sagen wir ein 386er, ruhig ein SX von mir aus. So einen habe ich auch noch hier, ein älteres Notebook, Baujahr 1991, 20 MB-Festplatte, 4 MB Hauptspeicher, alles andere als »State of the Art« mittlerweile, aber es läuft wieder, nachdem ich ihm neue Akkus spendiert habe. (Hat mich zwar nicht so treu begleitet, wie mein Brauner hier, aber ich mag halt nichts wegwerfen, was noch funktioniert.)

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