25 JAHRE RENT-A-GURU®

Seit mehr als 25 Jahren ist RENT-A-GURU® nun aktiv. Allen Geschäftspartnern & Freunden danken wir für die stets gute Zusammenarbeit!

EMail protected by SBL Advisory
Valid XHTML 1.0 Transitional
Valid CSS level 2.1

Wie wär's mit einer Microsoft-freien Zone?

Seite: « 1 2 3 4 5 6 7 8 9 » 

Nur zur Erinnerung zwischendurch mal wieder der aktuelle Stand der Dinge: Die PC-Xware Installation ist jetzt durchgelaufen, aber die Verbindung zu den Unix-Rechnern klappt einfach nicht, egal welchen Treiber ich für meine Ethernet-Karte wähle. Ich sitze jetzt also da, und studiere die CONFIG.SYS... Wie vermessen, ich und in der CONFIG.SYS was finden, ha! Alter keltischer Krieger und so... no chance...

Erschwerend kam noch hinzu, dass die verwendete Karte insofern ein Vorgänger der heutigen »Plug&Play«-Generation war, als all die schönen Parameter, die man früher per »Mäuseklavier« einstellen durfte, mittels Software konfiguriert werden mussten. Wer nun denkt, »aber wie praktisch — da kann man das doch alles wunderbar einstellen, ohne den Rechner aufzuschrauben«, hat wahrscheinlich noch niemals in real life mit so einem Teil zu tun gehabt, oder zumindest nicht in Situationen, in denen irgend etwas nicht funktioniert, das mit den Einstellungen in Zusammenhang steht bzw. damit in Zusammenhang stehen könnte. Spätestens nach dem zweiten oder dritten fehlgeschlagenen Versuch kommen einem dann nämlich erste Zweifel, und nach dem vierten oder fünften werden sie zunehmend bohrender:

Hast Du die I/O-Adresse wirklich auf 0x330 eingestellt?
Und den Interrupt auch tatsächlich auf 11?

Während man bei einer konventionellen Karte dann einfach nur in den — ohnehin meist geöffneten — Rechner schauen und die Schalter- bzw. Jumper-Stellung kontrollieren muss, um sich sicher sein, dass alles so ist, wie man glaubt, heißt das bei einer jumperlosen Karte:

DOS laden, Konfigurations-Software starten, Einstellungen anzeigen lassen — sind alle OK — gut, also wieder Windows starten und ein neuer Versuch...

Was höre ich da — »Ist doch alles nicht so schlimm«...? Nein, ist es nicht, es ist nämlich noch schlimmer, denn nach neuerlichen vier oder fünf Fehlschlägen kommen auch neu wieder Zweifel auf und zugleich natürlich wieder die Hoffnungen, an die man sich wie ein Errtinkender an den berühmten Strohhalm klammert.

»Bestimmt hast Du versehentlich statt des BNC- den TP-Anschluß aktiviert; das musst Du nur richtig machen, dann geht alles gleich wie geschmiert.«

Also DOS laden, Konfigurationssoftware starten, Einstellungen...

Und wenn nach einiger Zeit immer noch nichts geht, dann eilen die Gedanken weiter: »Wäre es vielleicht vorstellbar« so denkt man, »dass der von PC-Xware verwendete Treiber die Karte hinsichtlich I/O-Adresse, Interrupt usw. nach seinem eigenen Geschmack programmiert?« Doch diesen Gedanken verwirft man erst einmal wieder, denn wie sollte der Treiber an die Karte kommen, wenn er I/O-Adresse und Interrupt überhaupt noch nicht kennt?

Aber kaum zwei Minuten später kommt der nächste Gedankenblitz: »Die Konfigurationssoftware schafft es doch auch, die Karte in einen definierten Zustand zu versetzen, ohne dass dazu Genaueres über die aktuellen Einstellungen bekannt sein muß, und ganz ähnlich könnte das doch der Treiber machen.« Aber dann müssten die veränderten Einstellungen doch hinterher noch zu sehen sein!

Also DOS laden, Konfigurationssoftware starten,...

Nein, es ist alles noch beim alten, so wie man es vorgegeben hatte, und damit Gong zur nächsten Runde: »Vielleicht benutzt die Karte ihren nichtflüchtigen Speicher nur, um bestimmte Einstellungen zu initialisieren, vielleicht ist das "wahre" Verhalten aber an anderer Stelle hinterlegt und der Treiber setzt es dort gemäß seinen Wünschen, während die Konfigurationssoftware immer die Initialwerte anzeigt?«

Hmm — also das ist nun wirklich ein Argument, das sticht, und da »DOS laden...« diesmal wegfällt, bleibt das Gehirn eingeschaltet und denkt weiter: »Sollte man sicherheitshalber vielleicht mal die Einstellung nehmen, die PC-XWare für die betreffende Karte — wenn man vom Clone aufs Original extrapoliert — als Default nennt? Vielleicht hat gerade bei diesem Kartentyp mal irgend jemand als "quick hack" die Defaults fest in den Treiber einprogrammiert und schließlich vergessen, sie wieder rauszunehmen? Und dann wurde die Möglichkeit, andere Werte als die Defaults einzustellen, überhaupt nicht mehr getestet.« Vorstellbar wäre das schon...

Also DOS laden, Konfigurationssoftware...

Aber einen Moment noch. Nimmt man jetzt wirklich die Defaultwerte für die Netzwerkkarte, dann gibt das einen Interrupt-Konflikt mit dem SCSI-Controller oder der Soundkarte oder... Also muß man die auch Umkonfigurieren oder einstweilen mal rausziehen — ich sagte ja schon, der Gehäusedeckel ist früher oder später eh' runter vom PC, egal ob man nun Karten mit oder ohne Jumper verwendet.

Um die Sache jetzt zum Ende zu bringen: Nach zwei Stunden oder so war ich ausreichend weichgekocht, dass es mir sinnvoller erschien, eine offiziell von PC-XWare unterstützte Karte im PC zu haben — (Da hast Du Dein blödes Diesel-Shirt, damit die liebe Seele endlich Ruh' hat! Aber jetzt komm' mir nicht damit an, dass Du auch noch 'ne Levi's brauchst, davon will ich nichts hören, verstanden!) — zumindest bevor ich dieses ganze Prozedere mit »Customer Service Request ID« vielleicht doch noch auslösen müsste.

Im Rückblick merke ich wieder, wie vergiftet ich von dieser ganzen DOS/Windows/PC-Propaganda damals doch gewesen sein muß: Wie selbstverständlich ging ich davon aus, eine bestimmte Hardware würde allenfalls unter Unix Probleme machen, denn für die Microsoft-Welt, so meine Überzeugung, liefern die Hersteller ja stets alles nötige mit, praktisch jede Installationsanleitung beginnt ja heute mit dem Satz:

Legen Sie die Diskette ein und tippen Sie A:\SETUP.

Ironischwerweise verraten kleine Details aber mitunter, dass die Programmiererinnen und Programmierer der mitgelieferten DOS-Software, eher in der Unix-Welt groß wurden. Zumindest bei besagter Konfigurationssoftware — ich habe sie wirklich oft genug gestartet, um das jetzt auswendig zu wissen — wurden die einzelnen Optionen mit einem Minuszeichen eingeleitet... ja, einem Minuszeichen, keinem Schrägstrich. Interessant, nicht wahr?

Soweit also die DOS-Welt. Wollte man dagegen etwas unter Unix betreiben, war es klüger, sich vorher sehr gut abzusichern, ob die betreffende Hardware damit auch tatsächlich funktionieren würde, und noch besser war es, mit dem Händler ein Umtauschrecht vereinbart zu haben. Dieses Bild mag in den ersten »Unix-auf-PC-Basis«-Jahren sicher zutreffend gewesen sein, es hat sich aber wohl bis heute dermaßen in meinem Hinterkopf festgefressen, dass mir erst jetzt, wo ich meine Erlebnisse zu Papier bringe, richtig klar wird, wie sich doch die Zeiten geändert haben: Offensichtlich kam — nein kommt(!) — Linux zumindest in diesem Fall anstandslos mit einem Stück Hardware klar, das in der DOS/Windows/PC-XWare Welt Ärger macht. Im Unterschied zu sonstigen »Fehlkäufen« bereue ich allerdings die Anschaffung der 3COM-Karte nicht, der Durchsatz ist wirklich ein Stück besser als bei den billigen Clones, und lebenslange Garantie hat sie obendrein. (Da könnte sich Markenbekleidung gerne mal ein Vorbild dran nehmen...)

Nachdem diese Probleme also gelöst waren, konnte ich PC-Xware erstmalig benutzen, allerdings nur ohne Sound oder ohne ISDN oder ohne SCSI-CD... ganz genau weiß ich schon nicht mehr, welche Kombinationen gingen und welche nicht, nur so viel weiß ich noch: Alles zusammen, das ging leider nicht. Glücklicherweise — damals dachte ich das zumindest, heute würde ich wohl eher »bedauerlicherweise« sagen — entdeckte ich dann in meinem DOS-Handbuch ein Kapitel, in dem beschrieben war, wie man mehrere Hard- und Software-Konfigurationen unter einen Hut bekommen, sie alle zusammen in jeweils einer einzigen CONFIG.SYS und AUTOEXEC.BAT ablegen kann. (Ja, ich habe ein Manual zu DOS, und ja, ich habe mein DOS offiziell gekauft. Und mein W3.11 auch!)

Zu diesen verschiedenen Konfigurationen musste man dann ein Menü definieren und beim DOS-Boot eine davon auswählen. Das war nicht mal schlecht ausgedacht, ich meine, so von der Idee her (zur Syntax sage ich gleich noch was). Man konnte auch einen Default vorgeben und einen Timeout, nach wievielen Sekunden also welche Konfiguration automatisch gebootet würde... und man konnte sogar Unter-Menüs anlegen, falls eines mal nicht reichen sollte... und man konnte Vorder- und Hintergrundfarbe beliebig setzten... und in der Wartezeit konnte das Programm Gedichte rezitieren oder den Kindern die neueste Geschichte von Käpt'n Blaubär erzählen... Ehm, nee, das habe ich jetzt wohl mit Stanislaw Lems »Waschmaschinentragödie« verwechselt, glaube ich, Gedichte rezitieren, das ging wohl nicht. Andererseits, die Lösung, auf die es in Lems Story hinausläuft, hätte was für sich... ja, beim Nacherzählen merke ich schon, wie die Schwingungsamplituden langsam zunehmen... obwohl der Hauptimpuls noch ein gutes Stück weg ist. Ich bin fast sicher, dass ich die Wellen schon hätte fühlen können, damals, wenn ich es gewusst und mich darauf konzentriert hätte...

Klar, diese Menüs waren nicht Unix-Stil sondern Microsoft-Welt, »[Labels]« in eckigen Klammern und die anderen Zeilen dann mit Ist=Zeichen drin... irgendwo hatte ich das schon mal gesehen? Ach ja, sahen diese ominösen ».ini«-Dateien nicht ganz genauso aus? Und das erste — und wie ich nun weiß auch letzte — Mal hatte ich bezüglich DOS/Windows sogar einen Lichtblick, eine Art Aha-Erlebnis: »Sieh' mal« sagte ich mir, »das ist doch mal was, ein Prinzip konsistent durchgehalten. Vielleicht ist das ja doch nicht so übel dort in dieser Welt, die bisher nicht Deine war?«

Es dauerte nur ungefähr drei Abende, bis ich mir meine superkomfortablen, ganz unterschiedlichen Boot-Konfigurationen gezaubert hatte. Wäre ich nicht so ein schrecklicher Perfektionist und hätte ich nicht alles ganz wunderbar modular strukturiert, leicht änderbar gehalten und was weiß ich noch alles gemacht, hätte ich es vielleicht auch in kürzerer Zeit hingekriegt, aber ich war damals so überrascht davon, dass dieses MS-DOS so ein unwerwartetes, schickes Feature hatte, eines, das mir in der aktuellen Situation wie gerufen kam, genau mein Problem löste, dass ich mich fast schämte, immer gelächelt zu haben, wenn andere aus »meiner« Unix-Welt geringschätzig von »Domestos« gesprochen hatten. »Vielleicht« dachte ich, »vielleicht solltest Du öfter mal in die Handbücher schauen, denn offensichtlich gibt es ja auch bei Microsoft Leute, die sich Gedanken machen«... nicht nur darüber, wie sich der Gewinn steigern lässt, meine ich, sondern auch darüber, wie man so ein Problem, dass der Rechner diese ganzen viele Hard- und Software nicht verkraftet, wie man so ein Problem effizient löst.

Aber stopp!

Jetzt mal halb lang, mir fällt gerade was auf: Sind diese Microsoft-Handbücher vielleicht mit irgendwelchen Drogen getränkt, Aerosole, die beim Blättern ausströmen, den Leser euphorisch machen? Sind da möglicherweise irgendwo subliminale Botschaften in den CONFIG.SYS-Menüs versteckt? Wie kommen ich denn dazu, hier auf einmal Verständnis zu zeigen, wer bin ich denn? Wer sind DIE denn, dass ich hier so gnädig urteile? Der selbe, exakt der selbe Rechner, zwar mit einer anderen Festplatte, aber vom selben Typ, hatte unter Linux doch absolut keine Probleme mit dem allem — was oder wen entschuldige ich denn hier? Die CONFIG.SYS-Menüs, so schön und gut sie zur Lösung meines Problems sind bzw. waren, sind die nicht das gleiche, wie wenn jemand mit dem Auto einen Fußgänger auf dem Zebrastreifen umnietet und dann einen Dank für die »Großzügigkeit« erwartet, ihn ins Krankenhaus zu bringen oder sonstwie Erste Hilfe zu leisten? Genau das, so wird mir gerade klar, machte ich aber damals, als ich diese Menüs so toll fand.

Seite: « 1 2 3 4 5 6 7 8 9 » 

STARTSEITE | ÜBER UNS | SCHULUNGEN | NETZDIENSTE | PUBLIKATIONEN | REFERENZEN | IMPRESSUM

Copyright © 1996-2017 by RENT-A-GURU®